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Pariser Modewoche

Karl Lagerfeld ist der "King of Cool" bei Chanel


Von Stefanie Schütte 10. März 2010, 16:40 Uhr

Vor grandioser Kulisse zeigte Karl Lagerfeld bei der Pariser Fashion Week seine neue Kollektion für Chanel. Die Models wateten vor einem Eisberg in gletscherblauem Wasser. Lagerfeld schien auch die anderen Defilées der ausklingenden Modewoche zu inspirieren: Auf den Laufstegen regierte die Coolness.

Ein neuer Purismus bricht sich Bahn in der Pariser Mode. Kurz vor Schluss der Prêt-à-Porter-Schauen der Damenkollektionen für Herbst/Winter 2010/11 zeigt sich, dass Klarheit in der kommenden Saison siegen wird. Die Designer zeigten in Paris überwiegend alltagstaugliche Mäntel, Kleider, kurze Röcke und kleinen Pullover. Auch die Farbpalette war schlicht und klar: Camel und Marineblau, Creme, Schwarz und ein paar rote Eyecatcher werden die Trendfarben im Herbst und Winter 2010/11. Protagonistinnen des neuen Purismus sind die einstigen romantischen „Rock Chicks“ der Mode: Phoebe Philo, die für Céline am Sonntag wieder eine wegweisende Kollektion zeigte, und Stella McCartney, die am Montag mit atemberaubender Eleganz glänzte.

Zum Glück für alle, die es etwas opulenter lieben, gibt es ja noch Karl: Karl Lagerfeld – mittlerweile eine derartige Institution in Paris, dass allein sein Vorname Ehrfurcht hervorruft – bot am Dienstag bei Chanel sein ganzes Können auf. Großartig war schon die Kulisse: Ein Eispalast in gletscherblauem Wasser, durch das die Models in dicken Fell-Moonboots oder zweifarbigen Hackenstiefeln schritten. Lagerfeld zeigte cremeweiße Minikleider aus zartem Tüll, bestickt mit Perlen und mit einem weichen Fellrock versehen, lange Ledermäntel mit diagonal gesetzten Nähten und schwarzem Kontrastfell an den Kanten, weiche lange Jacken in dunklem Anthrazit, auf die dicke Wollkaros gesteppt waren, und Tweed in unglaublich kunstvollen Varianten. Ketten und Armbänder wirkten wie Eiszapfen, kleine Abendtaschen waren in Eisblockform gegossen.

Fast monastisch streng erschienen dagegen die Entwürfe von Stefano Pilati für Yves Saint Laurent. Seine schwarzen, kurzen Kleider und Mäntel mit Cape-Oberteilen und schmalem Rock, die schneeweißen Hemdblusenkragen und dreiteiligen Hosenanzüge, ebenfalls in Schwarz, präsentierten sich in präzisen Linien und dennoch fließend und weiblich. Ergänzt wurde dieses modische Understatement durch transparente Regencapes, Satinteile in glänzendem Blau, Grün oder Gelb und einem zart wehenden Cocktailkleid aus violettem Chiffon, das kurz und hochgeschlossen viel Bein, aber kein Dekolleté offenbarte.

Die wirklich coolen kleinen Mädchen liebten früher Huckleberry Finn und nicht Tom Sawyer. Wie eine Hommage an Mark Twains legendären Jungen mit dem zerfransten Hut und den zu großen Hosen wirkte die Schau von Kenzo. Herbstlaubfarben, Zottelponchos, Herrenhosen und Karomuster, Hippiekleider und Satteltaschen zum Umhängen. Kenzo-Chefdesigner Antonio Marras hatte sich die lässigen Schönheiten der 70er- und 80er-Jahre wie Marisa Berenson und Farrah Fawcett zum Vorbild genommen und mixte Trapperlook und feminine Blütenmuster, kostbare Stickereien und fließende Seidenstoffe. Minimalismus war das sicher nicht, dafür aber ziemlich cool.

Farbe bekannte am Montag schließlich Ungaro – beim französischen Traditionshaus wurde ein pinkfarbenes Seidentop zur Satinjacke in Goldbeige und einer schmalen Hose mit Leopardenprint kombiniert. Korsagen-Minikleider und ein Rock, der seitlich tütenförmig gerafft war, sowie zahlreiche Chiffonkleider mit kleinen Plissees in Schwarz oder einem dunklen Beerenton, legten viel Haut frei. Die Entwürfe, darunter einige mit 70er-Jahre-Prints in grellem Fuchsia, waren eher für den Abend als fürs Büro gemacht.

 

 

US-Schauspielerin Lindsay Lohan, in der vergangenen Saison offizielle Kreativberaterin des Hauses, trat diesmal nicht bei Ungaro in Erscheinung. Chefdesignerin Estrella Archs verbeugte sich alleine und ersparte sich auch dank der diesmal deutlich gelungeneren Kollektion einiges an Spott.



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